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Wie ich beinahe in Chile festsaß

Im Dezember 2019 brach ich zu einer 3-monatigen-Reise durch Südamerika auf. Peru, Bolivien, Chile & Argentinien standen auf meinem Plan. Zu dieser Zeit assoziierte ich Corona nur mit Bier. Beim ersten Aufkommen des Themas in den Medien und den ersten Fällen in China war mein Gedanke noch “Gut, dass ich hier in Südamerika bin und nicht wieder nach Asien gereist bin.”

Das Thema Covid-19 war für mich während meiner ganzen Reise weit weg. Es trafen vereinzelte Fälle in Südamerika auf – bis sich dan im März auch dort alles änderte.

Torres del Paine Nationalpark in Chile

Reisen während der Corona Pandemie 2020

Am 11.03.2020 wurde die weltweite Ausbreitung von COVID-19 von der Weltgesundheitsorganisation zu einer Pandemie erklärt. An diesem Tag klingelte mein Wecker um 5 Uhr und ich machte mich auf zu einem wunderschönen Abenteuer: den W-Trek im Torres del Paine Nationalpark.

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Corona eine Pandemie? Diese Information erreichte mich nicht mehr. Es folgten fünf Tage wandern, komplett offline fern ab der Zivilisation. Es war eine Blase der Stille. Während der Wanderung gab es immer mal wieder Gerüchte, dass in Deutschland die Schule geschlossen werden. Mehr haben wir nicht mitbekommen. Wir fühlten uns sowieso sicher in Patagonien. Hier gab es keine Fälle. Wir wanderten in unserer glücklichen Blase durch einen der schönsten Nationalparks in Südamerika.

Reisen während der Corona Pandemie

Welcome back Anna, the world has changed

Dann kam der Tag, an dem die Blase zerplatzte. Nach 5 Tagen fernab der Zivilisation ging es mit dem Bus zurück nach Puerto Natales. Als mein Handy wieder Empfang hatte, erreichten mich viele WhatsApp Nachrichten aus der Heimat. So wirklich verstanden hatte ich die Situation zu diesem Zeitpunkt nicht. Was war da los auf der Welt? Was bedeutet das für mich? In diesem Moment zählte für mich erstmal nur, dass ich irgendwie nach Argentinien reisen kann, um mein Schiff in die Antarktis zu erwischen. Lustig, wie naiv das jetzt von der Distanz aus klingt.

“Welcome back Anna, the world has changed.” – so wurde ich von meinem Hostel Besitzer Diego begrüßt und dabei hielt er mir ein Fieberthermometer an die Stirn. Ich wollte erstmal ankommen, duschen und noch die Glücksgefühl-Nachwehen genießen. Doch wichtiger war in diesem Moment: was bedeutet das jetzt? Kann ich nach Argentinien? Dann ging alles schnell und die Neuigkeiten überschlugen sich. Hostel Besitzer Diego hielt uns glücklicherweise informiert über die Situation. In Peru herrschte bereits strenger Lockdown und Argentinien schloss die Grenzen. Erste Überlegung waren dann einfach hier zu bleiben, wo es doch kaum Fälle gibt. Ein paar Wochen mehr in Chile? Auch nicht schlecht. Zusammen mit meinen Mit-Wanderern ging es Abends erstmal eine Pizza essen.

Am nächsten Tag war dann die Gewissheit da: es gibt keine Möglichkeit nach Argentinien zu reisen. Auch die Häfen wurden geschlossen und so war meine Reise in die Antarktis nicht möglich. Ich beschloss erstmal in Puerto Natales zu bleiben. Die Neuigkeiten überschlugen sich weiter und auch Chile beschloss ab dem 18. März seine Grenzen zu schließen. Müssen wir das Land in 3 Tagen verlassen haben? Wann wird der Flugverkehr eingestellt?

Schnell war die Gewissheit da: okay, ich sollte wirklich nach Hause fliegen. Ich habe Flüge gecheckt, war aber an diesem Punkt nicht bereit so abrupt nach Hause zu fliegen. Ich war fast 3 Monate unterwegs und der Gedanke in ein paar Tagen in meiner Wohnung zu sitzen war für mich nur schwer verständlich. Zwischenzeitlich stiegen die Preise für Flüge auf 11.000 Euro. Flüge wurde wild gecancelled, waren nicht mehr verfügbar. Ich musste erstmal nachdenken und ging mit meinem Laptop in ein Café am See.

Reisen während der Corona Krise in Chile

Ausnahmezustand in Chile und meine Rückreise

Es folgte der Ausnahmezustand in Chile ab dem 18. März. Wir sollten uns nicht wundern, wenn wir Militär auf den Straßen sehen, erklärte uns Diego. Denn diese übernehmen die Kontrolle der öffentlichen Sicherheit. Der Ausnahmezustand war zunächst für 90 Tage angeordnet. In Chile gab es zu diesem Zeitpunkt 238 Infizierte.

Auch die Restaurants schlossen um 20 Uhr und man sollte zu dieser Zeit in den Häusern sein. Das wurde mir langsam alles etwas unheimlich! Ich habe in der Zwischenzeit einen Flug gebucht für Samstag, den 21. März den ich dann kurzfristig auf den 20. März vorverlegen konnte.

Anmerkung: Sollte ich jemals wieder in einer ähnlichen Situation sein, würde ich einfach meine Tasche packen und an den Flughafen fahren. Ich habe von anderen Reisenden gehört, dass sie die Maschinen einfach nur voll machen wollten und man so kurzfristig einen Platz im Flieger bekommen hatte.

Wir haben uns außerdem beim auswärtigen Amt informiert und uns auf die Elefand Liste setzen lassen. Das auswärtige Amt in Santiago legt uns nahe, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Mit einer Rückholaktion aus Chile wird es noch recht lange dauern.

Wie fühlt es sich an, während der Corona Pandemie in einem fremden Land zu reisen?

Meine Antwort: eine einzige Anspannung! Von meiner Ankunft in Puerto Natales bis zu dem Punkt, als ich im Zug nach Hause saß war ich unter permanenter Anspannung. Ich wusste nicht, ob sich die Situation in den nächsten Sekunden ändern würde, ich konnte nicht essen, ich fühlte mich elend. Ich hatte Angst, dass ich es nicht schaffen würde nach Hause zu fliegen. Wusste nicht, ob mein Flug in letzter Sekunde gecancelled wird! Zwischenzeitlich ging das Gerücht um, dass der internationale Flugverkehr ab dem 20. März ganz eingestellt wird. Ich wollte – das erste Mal in meinem Leben – einfach nur nach Hause.

Die letzten Tage in Chile waren unwirklich. Die Restaurants schlossen und das Leben wurde mehr und mehr eingestellt. Im Supermarkt musste man zum Teil vor der Tür bestellen und die Menschen trugen immer mehr Masken und Schutzanzüge.

Bei meiner Rückreise und an den Flughäfen war dann alles wieder relativ normal. Viele Leute trugen Masken und Durchsagen wiesen auf Covid und die Hygieneempfehlungen hin. Mein Flieger von Sao Paulo nach Frankfurt war der letzte Flug und folglich bis auf den letzten Platz besetzt. Jeder Huster von meinem Vordermann im Flieger oder Zug ließ mich zusammenzucken.

Glücklicherweise erreichte ich meine Wohnung in Bayern ohne große Schwierigkeiten. Selbst der Zugverkehr in Deutschland war normal und pünktlich. Als ich an meinem Heimatbahnhof ausstieg kullerten die Tränen. Ich habe es geschafft!

 

PS.: Auch meine Heimatzeitung hat über meine Situation berichtet.

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