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Alleine reisen als Frau: Wie es wirklich ist alleine als Backpacker los zu ziehen

Alleine reisen und dann noch als Frau? Ist das sicher? Das ist doch einsam? Sogar mein Hausarzt war empört, als ich ihm beim Impfgespräch mitteilte, dass ich alleine zum Backpacking nach Südostasien gehe. Das könne ich nicht machen! Viel zu gefährlich!

Doch erstmal von vorne: meine ersten Erfahrungen mit dem Thema alleine reisen als Frau hatte ich mit Auslandsaufenthalten im Studium. Alleine ging ich damals nach Estland und in die USA. In diesem Jahr konnte ich das erste Mal spüren was es heißt alleine in einem fremden Land zurechtzukommen. Nachdem meine erste Unterkunft in D.C. voll mit Kakerlaken war spürte ich recht schnell, wie dich diese Tatsache und die Hilflosigkeit auch schnell an die ganz tiefen Punkte bringen kann. Am liebsten hätte ich meine Sachen gepackt und wäre wieder nach Hause. Die 4 Monate, die vor mir lagen, fühlten sich für mich wie eine Ewigkeit an. Aber wie immer in solchen Situationen wächst man über sich hinaus. Man lernt und auf das tiefe Tief folgt schnell das erste Hoch, weil man es gemeistert hat.

Darauf folgten immer wieder Urlaube alleine. Wenn sich niemand fand, bin ich eben alleine los. So machte ich fleißig Städtetrips, Wanderungen und kürzere Fernreisen ganz alleine. Auch nach Südafrika flog ich solo – wobei ich hier dann mit einer wunderbaren Reisegruppe von Berge und Meer unterwegs war. Aber selbst eine Gruppenreise alleine anzutreten kostet Überwindung. Die Notfallperson fehlt. Die Notfallperson bist einzig und alleine du. Wenn du dich in einem Moment unwohl fühlst dann gibt es da niemanden, an den du dich wenden kannst. Doch lass dir sagen, du wirst so schnell tolle Menschen kennenlernen!

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Die schönsten Geschichten fangen mit Mut an

Auf meinem Instagram Kanal bekomme ich immer viel Feedback, wenn ich alleine unterwegs bin. Meistens berichten mir die Follower, dass sie sich das nie trauen würden und wie mutig es doch ist alleine zu reisen. Meine Antwort ist meistens, dass man es nur einmal versuchen muss, um zu sehen, dass da eigentlich gar nicht so viel dabei ist. Die Mehrheit der Frauen und Männer trauen sich gar nicht erst alleine loszuziehen. Kennst du auch diese Menschen, die nicht mal alleine ins Fitnessstudio gehen? Geschweige denn in ein Cafe oder ins Kino. Es hat bei mir auch etwas gedauert, bis ich mir nicht mehr eingeredet habe, dass mich die Menschen um mich herum nicht anstarren, nur weil ich alleine im Cafe sitzen. Ich frage mich gerade, ob ich einen Solo Travelling Trip einer Reise mit Begleitung inzwischen vorziehen würde und meine Antwort ist ja.

“Ich würde einen Solo Travelling Trip einer Reise mit Begleitung inzwischen vorziehen.”

Warum Solotravelling wunderbar ist

Reisen ohne Kompromisse

Ein großer Vorteil des Alleine Reisens ist es, dass du keine Kompromisse eingehen musst. Du kannst deinen Tag gestalten, wie du möchtest. Früh aufstehen und die Stadt im Morgengrauen erkunden? Eine Woche nur am Strand liegen? Im Hostel chillen oder einen Berg besteigen? Kultur oder Natur? Da du dich mit niemandem absprechen musst, kannst du machen, was du willst. Auch bei der Planung der Route ist das eine Erleichterung. Ich genieße diese Tatsache unterwegs sehr. Natürlich kann das auch mal nerven, zum Beispiel wenn man selbst gar nicht weiß, was man möchte. Auch ist es zeitaufwendig, wenn du alle Sehenswürdigkeiten, Wege und Routen alleine recherchieren musst. Das nimmt auch während der Reise viel Zeit in Anspruch.

Mehr Offenheit für neue Erfahrungen & Menschen

Toll ist es beim Solotravelling auch, dass du viel schneller mit Menschen in Kontakt kommst. Genauso wie du aufgeschlossener bist neue Menschen kennenzulernen, ist es auch dein Gegenüber. So knüpfst du schneller Kontakte und vielleicht Reisefreundschaften. Vor allem auch der Kontakt zu Einheimischen passiert dann leichter. Vor allem in Asien sind die Menschen erstaunt, wenn du als Frau alleine unterwegs bist und kommen ganz offen auf dich zu und ins Gespräch. Für alle, die fremde Kulturen entdecken ist das natürlich total spannend. Du schüttelst den Kopf und denkst dir “Oh Gott ich bin so schlecht im Small Talk?”. Lass dir sagen, man wächst da rein. Meine größte Angst war immer, dass ich mich nicht überwinden kann Leute im Hostel anzusprechen. Ich erinnere mich noch an meine Ankunft auf den Philippinen, wo ich im Hostel sofort ein paar Leute gefragt habe, ob ich mit ihnen zum Abendessen gehen kann. Ich war so stolz und es war so einfach. Heute suche ich Kontakt, wenn ich Kontakt wünsche und ziehe mich zurück, wenn ich keinen Bock auf Menschen habe. Was für ein Luxus?

Solotravelling als Frau alleine

 

Deine Ausbildung zum Problemlöser

Du bist alleine in einem fremden Land, da treten natürlich auch immer mal wieder Probleme aus. Ein verpasster Flieger, eine gestohlene Kreditkarte, ein überbuchtes Hotel, plötzliche Grenzschließungen oder Bettwanzen. Kleine und große Herausforderungen werden deinen Solotravel Trip begleiten. Das ist sicher. Natürlich kommt die Frage auf, ob das bei den Vor- oder besser bei den Nachteilen stehen sollte, wenn du in der scheiße steckst und dir von Zuhause aus einfach momentan niemand helfen kann. Das ist immer hart und man erreicht seine Grenzen. Doch das wertvolle von alledem ist, dass du zum Problemlöser wirst. Du lernst ganz anders mit solchen Herausforderungen des Alltags umzugehen. Ich habe gemerkt, wenn da niemand ist an dessen Schulter ich mich erstmal ausweinen kann, dann tue ich es auch nicht. Mein Geist und Körper schaltet sofort in den Problemlöser Modus. Ich gehe ganz anders mit Problemen um und bin viel zielgerichteter eine Lösung zu finden. Je nachdem wie groß die Herausforderung ist, werden im Anschluss schon ein paar Tränen verdrückt. Bei meinem Trip nach Dänemark wurde mir auf dem Weg zum Flughafen vor dem Heimflug der Geldbeutel mit allen Dokumenten geklaut. Nachdem alle Karten gesperrt waren bin ich wie eine Irre durch den Flughafen gerannt, um ein Ausreisedokument zu bekommen. Am Gate brach ich dann in Tränen aus.

Voll und ganz bei dir selbst sein

Der wichtigste Punkt, warum ich darauf stehe, als Frau alleine zu reisen, ist der, dass man ganz bei sich ist. Das mag beängstigend klingen, denn du stößt bestimmt an deine körperlichen und vor allem seelischen Grenzen. Du lernst dich selbst auszuhalten und deine eigene, innere Stimme ohne Störgeräusche zu hören. Das ist nicht immer angenehm aber das Gefühl so ganz bei dir und in Verbindung mit dir selbst zu sein ist unbezahlbar. Das macht solch eine Reise so viel intensiver. Manchmal frage ich mich, ob es eher die intensiven Gefühle sind, die man beim alleine reisen verspürt, die einen süchtig danach und nach Reisen machen.

Welche Nachteile alleine reisen als Frau haben kann

Einsamkeit vs. alleine sein

Eine häufige Frage, die man mir stellt ist “Du reist ganz alleine? Ist das nicht einsam?”. Ich habe diesbezüglich schon einmal einen ausführlichen Blogpost über die Einsamkeit beim alleine reisen geschrieben. Natürlich ist mir bewusst, dass ich nicht über die Gefühlswelt von allen urteilen kann, doch für mich ist alleine nicht gleich einsam. Ich kann mich einsam fühlen in einem Raum voller Menschen, die ich kenne. Wer alleine ist, der ist nicht gleich einsam.

„In der vollkommenen Stille hört man die ganze Welt“ – Kurt Tucholsky

Auch für viele ist die Tatsache, dass man einen schönen Moment doch mit jemandem teilen muss, ein Grund nicht alleine zu reisen. Wirklich? Macht es diesen Moment zum Beispiel einen Sonnnenaufgang weniger schön nur, weil du nicht sagen kannst “Wow ist das schön?” Es ist etwas das man erst lernen muss einen Moment alleine zu genießen. Ihn nur für sich aufzusaugen. Aber wenn du das einmal gelernt hast, dann macht es keinen Unterschied mit wie vielen Menschen du ihn genießt.

Doch ich möchte das hier auch nicht schön reden. Es wird auf deinem Solotrip Augenblicke geben, in denen du dich einsam fühlst. Beispielsweise wenn du mal im Hostel keinen Anschluss findest und du alleine in der Ecke sitzt, wenn du krank bist oder dich einfach mal nicht so gut fühlst. Aber auch diese Momente gehen vorbei und sollten dich nicht davon abhalten loszuziehen.

Mehrkosten beim Solotravelling

Ein Nachteil, der ein wahrer Nachteil ist, sind die höheren Kosten. Alleine reisen kann unter Umständen teurer sein. Beim Backpacking fällt das weniger ins Gewicht aber dennoch ist die Diskrepanz da. Beispielsweise wenn es darum geht einen Mietwagen zu leihen, mal in einem Hotelzimmer zu übernachten. Auch auf meiner Berge und Meer Gruppenreise gab es einen Zuschlag fürs Einzelzimmer. Natürlich versteht man, warum, dennoch schlägt es aufs eigene Reisekonto. Auch Transportkosten wie Taxis sind teurer. Als Schwabe und Backpacker scheue ich mich aber nicht davor inzwischen am Flughafen andere Backpacker anzusprechen, ob man sich nicht das Taxi teilt. Also: mit anderen zusammenschließen, wenn es um Ausgaben geht, die alleine teurer sind.

Sicherheit als alleinreisende Frau

Als alleinreisende Frau ist man ein leichtes Ziel für Kriminelle. Glücklicherweise habe ich – bis auf einen Diebstahl in Dänemark – noch nie negative Erfahrungen beim alleine reisen gemacht. Dennoch solltest du als alleine reisende Frau immer wachsam und vorsichtig sein. Informiere dich vorab, welche Gegenden du meiden solltest. Höre auf dein Bauchgefühl, wenn du Menschen kennenlernst und sei extra vorsichtig.

Backpacking alleine

Tipps für alle, die als Frau alleine reisen möchten

1. Kleine Schritte mit einer Testreise machen

Probiere es doch einfach mal aus! Wie wäre es mit einem Städtetrip ganz alleine oder einer Solowanderung in den Bergen? Am Anfang fühlt es sich immer komisch an aber dennoch kannst du so ausloten, ob du dir vorstellen könntest, dass bei einem längeren Trip oder einen Backpacking Reise zu wiederholen.

2. Offen und neugierig sein

Das A&O, wenn man alleine reist ist, es offen und neugierig zu sein. Geh auf Menschen zu und interessiere dich für das Land und die Leute.

3. Aktivitäten mit anderen planen

Wer alleine unterwegs ist, der muss sich ja deshalb nicht von anderen Reisenden fernhalten. Es geht ja auch darum neue und spannende Menschen kennenzulernen. Dafür eignen sich Aktivitäten ganz gut. Vielleicht bietet das Hostel einen Kochkurs oder Salsa Kurs an? Mach mit! Auch free walking tours oder anderen Gruppen sind ideal dafür. Über getyourguide findest du beispielsweise Aktivitäten auf der ganzen Welt.

4. Hostels und Online Community

Darf ich ehrlich sein? Mit Mitte zwanzig habe ich Hostels gehasst. Ich habe mir geschworen, dass ich mit 30 nie wieder in einem Hostel schlafe. Jetzt Anfang 30 verbringe ich meistens 5 Monate im Jahr in Hostelbetten. Wer alleine reist, für den sind Hostels ein Segen. Man trifft auf anderen alleinreisende und generell Menschen mit ähnlichem Mindset. Eine Alternative dazu wäre das vernetzen in Travel Communities und Facebook Gruppen. So kann man sich auch mit anderen Reisenden vernetzen. Ebenfalls beliebt in den letzten Jahren war Networking beim Reisen durch Dating Apps wie Bumble und Tinder. Bumble hat dazu ja auch die Funktion “Freunde finden” – wo nicht Dating im Vordergrund steht. Ich habe das noch nie probiert aber viele Mitreisende haben so coole Lokals kennengelernt.

5. Reiseapotheke und die Packliste

Ihr fragt euch nun: was die Reiseapotheke? Für mich ist es wichtig eine perfekte Reiseapotheke mitzuhaben. Es gibt nichts Schlimmeres, als sich auf Reisen zu verletzen oder krank zu werden. Dann fühle ich mich hilflos und alleine. Mit einer Reiseapotheke, die jede Eventualität abdeckt, bin ich gewappnet. Stell dir vor, du liegst flach und schaffst es selbst nicht zur Apotheke?

Ebenso wie eine perfekt gefüllte Reiseapotheke ist für mich die Vorbereitung wichtig. Habe ich alle Infos und alle Dokumente? Gibt es Kopien in der Dropbox? Habe ich Sperrhotlines an verschiedenen Orten gespeichert usw. Sei einen Schritt voraus um in Problemsituationen weniger Stress zu haben. Gleiches gilt für Routen und Zielen. Je mehr du dich vorab informierst, desto weniger Zeit musst du unterwegs mit Recherche verbringen.

Ein paar Must-haves für die Packliste

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6. Weg mit den Handy

Leg das Handy öfter mal zur Seite und genieße. Du musst nicht in Echtzeit Bilder nach Hause schicken und täglich Kontakt zu den Daheimgebliebenen halten. Natürlich ist es schön, diese teilhaben zu lassen aber es ist wichtiger, dass du die Momente ganz und für dich einsaugst.

Mein Fazit für alle, die als Frau alleine reisen möchten

Backpacking alleine ist nicht für jedermann geeignet. Dennoch gilt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Es gehört etwas Mut dazu das auszuprobieren doch am Ende wird eine wertvolle Erfahrung sein. So ein Trip hat immer Höhen und Tiefen – doch man kann so viel lernen über sich selbst und die Welt. Worauf wartest du? Was hält dich ab?

Tolle Bücher rund um Solotravelling und Backpacking alleine

Und was, wenn alleine Reisen als Frau gar nichts für dich ist?

Selbst dann musst du nicht zwangsläufig Zuhause bleiben. Vielleicht wäre dann eine dieser Optionen für dich interessant:

  • Suche dir einen Travelbuddy in Facebook Gruppen. Hier gibt es auch Gruppen nur für Frauen.
  • Buche eine Gruppenreise (Ich habe gute Erfahrungen mit den Anbieter Berge & Meer gemacht).
  • Couchsurfing ist eine tolle Möglichkeit um Locals kennenzulernen.

Bilder by Carito Photography

Alleine reisen als Frau

 

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